Das Erdbeben von 1755 hat diese beiden Stadtviertel beinahe vollständig zerstört. Nach der Katastrophe, als der Marquês de Pombal das Viertel als eines der ersten Modelle für erdbebensicheres Bauen umgestaltete, wurde es „Pombalina“ genannt.
Wenn man sagt, dass man „in die Baixa“ geht, weiß man, dass dies das Zentrum der Welt ist. Die Fußgängerzone Calle Augusta ist ihr einziger Weg, wenn man von Terreiro do Paço und Ribeira das Naus kommt, die beide restauriert und modernisiert wurden. Unterhalb der Rua Augusta liegen die römischen Katakomben. Darüber erheben sich mehrstöckige Gebäude, mit deren Balkonen und Dachterrassen zauberhafte Ausblicke über das ganze Viertel genossen werden können. Die Rua Augusta und ihre vielen Shopping-Möglichkeiten enden am Rossio-Platz, der mit seinem Bodenmuster so manches Foto ziert.
Die Rua do Ouro verläuft parallel zur Rua Augusta, wo auf halber Strecke plötzlich Elevador de Santa Justa steht, ein Aufzug, der von Eiffel sein könnte, es aber nicht ist. Der Aufzug führt hinauf zum Largo do Carmo, dem Hauptschauplatz der portugiesischen Nelkenrevolution vom 25. April 1974, der mit einem dachlosen Kloster geschmückt ist, das durch das Erdbeben in ein Observatorium der Sterne verwandelt wurde.
Das Chiado-Viertel präsentiert sich hier, als wäre es allgegenwärtig. Die Buchhandlung Bertrand ist schon seit dem 18. Jahrhundert bekannt, aber erst in den 1800er-Jahren wurde Chiado zum kulturellen Epizentrum von Lissabon.
Cafés gibt es hier in Hülle und Fülle, angefangen beim Brasileira, wo eine Bronzestatue von Fernando Pessoa, der an einem Tisch auf seinen „bica“ (Expresso) wartet. Neben ihm ein leerer Platz, an dem sich Touristen die Möglichkeit bietet, ihren offiziellen touristischen Schnappschuss von Lissabon zu machen.
Die Akademien der Stadt bleiben kaum verborgen, die lebhaften Diskussionen, die früher zwischen Schriftstellern, Künstlern und Politikern stattfanden, sind noch immer in den traditionellen Cafés zu hören. Weiterleben tun die Geister der Künstler auf den Straßen, denn hier wird mehr gesungen und gespielt als gebettelt. Die gastronomische Vielfalt, die Musik und die Menschen sind Grund genug, dass sich hier immer mehr Hotels etablieren und beweisen, dass Chiado ein Ort ist, an dem man sich aufhält und nicht nur vorbeigeht.